Galerie Hubert Winter

Franz Vana
The Mid-70's
10. Februar – 17. März 2012
Vergessen wir's, mein Weibchen. Leg dich schlafen. Morgen ist auch noch ein Tag. Hic calix! Schlag das in deinem Lateinbuch nach, es bedeutet "hier ist der Becher", und du darfst sicher sein, daß Wein drin ist.
Die letzten Zeilen. In: Jack Kerouac, Die Verblendung des Duluoz. Dt. v. H. Hermann. Hamburg, Rowohlt, 1975.

Eigentlich fuhren sie schon die halbe Nacht herum. Einfach so. Sie hatten kein bestimmtes Ziel. "Ziemlich langweilig hier", sagte der Eine. "Mhm", sagte der Andere und nickte. Es dämmerte bereits. Zarte rosa Fäden mischten sich zu einem aufkommenden Blau. Es roch nach Morgen. "Wonach suchst´n jetzt", fragte der Eine. "Nichts Bestimmtes", murmelte der Andere, während er angestrengt auf die Strasse sah. Hier gab es manchmal gefährlichen Wildwechsel. Sie fuhren durch eines dieser langweiligen Dörfer, die sich alle ähnelten. Ohne Ortstafel hätte man nicht gewusst, wo man sich befindet. Natürlich war alles geschlossen, der einzige Laden, das einzige Wirtshaus, das Gesicht der alten Frau, die sich an ihrem Stock die Strasse entlang mühte. Plötzlich bog der Eine haarscharf von der Strasse ab. "Was machst´n" fragte der Andere. "Ach,hab was gesehn" sagte der Eine. Bevor der Andere noch weiterfragen konnte, standen sie vor einem alten Bau mit riesigem Schornstein. Über dem Tor eine ungarische Aufschrift. "Sind wir schon in Ungarn?" fragte der Andere. Er bekam keine Antwort weil sich das große Tor plötzlich öffnete und den Blick in einen Kapellenartigen Raum freigab, in dem nicht nur große Bilder an den Wänden hingen. Auch zwei nackte Mädchen, offensichtlich Modelle, schritten langsam durch den Raum. Der nicht mehr ganz junge Mann, der aus der Toröffnung heraustrat, grüsste freundlich und etwas verwundert.



"Entschuldigung, wir waren bloß neugierig und sind deswegen hierhergefahren. Aber eigentlich wollten wir weg von der Strasse und uns etwas ausruhn", sagte der Eine.
"Ja, das verstehe ich, es ist ja früher Morgen", sagte der Mann, der offensichtlich Künstler und Besitzer der Liegenschaft war. Und weiter "Kommt doch herein, meine Türe ist immer offen für...", eigentlich wollte er tropfnasse Penner sagen aber er biss sich auf die Zunge und schluckte das Wort hinunter. "He, soll´n wir reingehn?" fragte der Andere, der immer etwas ängstlich war. "Ja klar", sagte der Eine. Er wollte unbedingt die schönen Nackten sehn, die vollkommen unbeeindruckt von den morgendlichen Besuchern ihr Ritual absolvierten.
Sie gingen im Kreis, die Bilder an den Wänden mit ihren lasziven Sprüchen hatten sie immun gemacht. Die Bilder waren bunt, und manche waren schwarz wie die Nacht, aus der die Beiden gerade kamen.

Aus dem demnächst im Verlag Barnsdorf erscheinenden Roman "Eine burgenländische Hochzeit oder Liebe eine hypnotische Suggestion" von Antonio R. Mollie.

Franz VANA schreibt zur „schwarzen Serie“ :

fragmente zu den GRAPHIT zeichnungen und skulpturen stahlgrau grau

durchscheinend reflektierendes grauen STAUBFÖRMIG

chemisches ELEMENT kohlenstoff in FORM

Graphitablagerungen auf Papier

GRAPHIT - mineralisches material - durchdringt seit 1972 meine arbeiten und hält

die werke FORMAL zusammen.

GRAPHIT reflektiert das licht auf eine mich erregende form, welche im

materialfetisch seine welt erfindet

GRAPHIT ZEICHEN und FORMEN entspringen aus dem studium des KÖRPERS

die graphitflächen liegen ausgebreitet auf dem TRÄGER papier die DICHTE

der rillen und strukturen erzeugen ein SPANNUNGSFELD

geometrische FORMEN bilden SCHATTEN SCHARFE RÄNDER bilden ab