Galerie Hubert Winter

SITTENBILDER
(mit Bordüren von Franz Vana)
5. Juli – 6. September 2008
Niemand blickte nach oben,und so sah niemand
inmitten des Sturms den Geist des Menschen unstet,
aber voller Hoffnung schweifen, über die
lichtlosen Wasser der großen Bucht.
Die letzten Zeilen in: João Ubaido Ribeiro, Brasilien, Brasilien. Dt.v.C.Meyer-Clason und J.Deutsch. Ffm., Suhrkamp, 1988.

Die Ausstellung zeigt neben einer Anzahl von Plakaten aus den 60er,70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, auf die Franz Vana mit feinen Wandmalereien eingeht, etliche Zeitschriften, Bücher und Alltagsfotografie aus jener Zeit sowie Kunstwerke von Carl Andre und Shigeko Kubota.

"Der Humor ist mir auf meinem ganzen Weg ein brüderlicher Lehrmeister gewesen; ich schulde ihm meine einzigen Triumphe über das Missgeschick. Niemand ist es je gelungen, mir diese Waffe zu entreißen, und ich richte sie umso lieber gegen mich selbst, als ich durch das "Ich" und das "Mich" das unerbittliche Geschick verhöhne. Der Humor ist das Manifest der Würde, eine Bestätigung, dass der Mensch über seinem Los steht. Gewisse meiner "Freunde", denen der Humor völlig abgeht, bedauern es, wenn ich in meinen Texten und in meinen Kommentaren diese essenzielle Waffe gegen mich selbst richte. Diese Besserwisser sprechen von Masochismus, von Selbsthass, ja sogar von Exhibitionismus und Taktlosigkeit, wenn ich meine Nächsten in dieses befreiende Spiel involviere. Sie tun mir leid. Das "Ich" gibt es nicht, und wenn ich meine bevorzugte Waffe gegen das "Mich" richte, ist es nicht anvisiert, sondern überwunden. So liegen die Dinge in Wirklichkeit."
Aus: Romain Gary, Frühes Versprechen. Roman. Dt.v. G. Waeckerlin Induni. München, Schirmer Graf, 2008.

"Weil ihm die Zeit egal war, war Grüber seiner Zeit oft voraus."
schreibt der große Gerhard Stadelmaier in seinem Nachruf auf den genialen Klaus Michael Grüber in der FAZ vom 24ten Juni 2008.

"Sobald Du in die Welt trittst, wird Dich die allgemeine Einsamkeit ergreifen. Du wirst erkennen, daß der Egoismus alle Wesen trennt. Bei aller Mühe wirst Du niemals eine heroische Seele, höchstens eine empfindsame Seele finden. In Paris, dieser Riesenstadt, könnte es Dir vielleicht nach zehnjährigem Suchen gelingen, einen Kreis von dreißig geistvollen und empfänglichen Menschen zu versammeln. Dagegen hast Du vom ersten Tag ab alle Kunstgenüsse."
Stendhal an Pauline Beyle. Marseille, 9ter Vendémiaire XIII. (d.i. 1ter Oktober 1805).
In: Ausgewählte Briefe Stendhals. München, G.Müller, 1910.

"Lieber Peter Selz,
da ich eine besondere Vorliebe für Kunstwerke habe, die sowenig wie möglich als solche beabsichtigt sind - ich meine damit, die sowenig wie möglich den Vorsatz haben, ein Kunstwerk zu sein -, machen mir irgendwelche Fehlstellen oder Nachlässigkeiten in einem Werk nicht nur gar nichts aus, wie man leicht verstehen kann, sondern ich muss zugeben, dass ich gewisse Ungeschicklichkeiten und Unstimmigkeiten an einem Werk, die Kunstliebhaber für unverzeihliche Fehler halten, sogar schätze."
Jean Dubuffet an Peter Selz. Paris, 31ter Dezember 1961.
In: Jean Dubuffet, Briefe und kleinere literarische Texte. Dt.v. E.Kronjäger. Bern, Gachnang & Springer, 1993
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  • Review: Die Furche, 28.08.08 (JPG)