Galerie Hubert Winter

Sarah Pichlkostner
KUY calls KAY : "oh darling, we flying to the moon we need to save weight"
7. April – 27. Mai 2017
Die Geschichte kennt keine Wiederholungen des Gleichen: „Renaissancen“ sind ihr Widerspruch.
Die letzte Zeile. In: Hans Blumenberg, Aspekte der Epochenschwelle. Cusaner und Nolaner. Ffm, Suhrkamp, 1976.

Die romantische Sehnsucht einer Reise zum Mond reizt Sarah Pichlkostner als Ausgangspunkt ihrer neuen Werkserie „Fly me to the moon“.
KUY calls KAY: "oh darling, we flying to the moon we need to save weight" ist nach London und der de ketelfactory in den Niederlanden Teil 3 ihrer Auseinandersetzung mit Material, Raum und Sprache.
Zwei Charakter - KUY und KAY, geboren und entwickelt von der Künstlerin mit Apps zur Selbstoptimierung - befinden sich im Dialog miteinander. Beide unabhängig und doch gebunden aneinander ergeben einen fiktionalen Raum. Für die Ausstellung bilden sie die Metaebene, die unbewusst in die minimalistisch abstrakten Skulpturen einfließt. Eine nonverbale, physiologische Grundlage zur Formfindung, die auf komplexe Weise erlaubt, in Sarah Pichlkostner’s künstlerische Welt einzutreten.
Die verspiegelte Glasfront trennt das Außen vom Innen. Das Innen vom Außen? Die Grenze zwischen Privaten und Öffentlichen kollabiert. Im Raum selbst eröffnet sich eine science-fictionesk anmutende Inszenierung.
Pichlkostner’s Skulpturen aus Aluminium und versilbertem Glas haben den Boden verlassen und schweben, von der Decke hängend, im Raum. In sich zwei geteilt ist es die in ihnen wohnende Dualität, die Spannung, Dynamik und Statik aufrecht hält. Automatisierte Optimierungsanweisungen erschallen von Glasplatten. Fragmentiert bezeugen sie den aktuellen Sprachverlust, formenhaft und sinnentleert, ein posthumanistisches absurdes Theater.
Die Künstlerin ermöglicht uns, mit ihr zum Mond zu fliegen. Doch welches Gewicht müssen wir abwerfen? Fiktion ist hier kein Spiegel für Klischees. Sarah Pichlkostner hat in ihrer künstlerischen Arbeit einen Zustand erreicht, in dem sich Objekt und Subjekt vermischen. Überflüssiges wird entsorgt, Default-Sprache in einen anderen Aggregatzustand geführt und metastabil am Boden zurückgelassen. Sarah Pichlkostner liefert uns keine Utopie, sie arbeitet im Jetzt.

Sarah Pichlkostner (*1988, Schwarzau/Pongau, lebt und arbeitet in Wien).

  • Roman Gerold, “Sarah Pichlkostner: Alles schwebt” in Der Standard (Samstag 22. April 2017), Album A7 (PDF)
  • Claudia Aigner, “Schmetterlinge, die zum Mond fliegen” in Wiener Zeitung (Mittwoch 26. April 2017) (PDF)