Galerie Hubert Winter

Lawrence Weiner
9. September – 15. Oktober 2016
Es war mein Irrtum gewesen, daß wir alle zusammen etwas erreichen müßten. Jeder von uns ist eine Insel, von verräterischem Wasser umschlossen, und was wir alle zusammen erreicht haben, ist nichts als Zufall - es konnte ebensogut dies wie auch etwas völlig anderes gewesen sein. Aber was soll ich nun tun? Leben wie sie und warten, bis wieder Urwald über all das gewachsen ist?
Die letzten Zeilen. In: Louis Paul Boon, Menuett. Dt. v. B. und A. Antkowiak. Bln, Alexander Vlg, 2011.

Die Bibliographie zur Konzeptkunst ist lang und Gedanken dazu sind weitläufig. Das von Lawrence Weiner 1968 formulierte "Statement of Intent" ist in seiner Klarheit und Präzision eine unumgehbare Aussage:

1. Der Künstler kann die Arbeit herstellen
2. Die Arbeit kann angefertigt werden
3. Die Arbeit braucht nicht ausgeführt zu werden
Jede Möglichkeit ist gleichwertig und entspricht der Absicht des Künstlers, die Entscheidung über die Ausführung liegt beim Empfänger zum Zeitpunkt des Empfangs

Die drei Skulpturen in unserer Ausstellung

MADE DONE WITH A PINCH OF SALT
PEELED PAST THE CORE
SKEWERED WITH A SLIVER OF GOLD

zeigen in beeindruckender Weise, wie Lawrence Weiner das weite Feld der präzisen Vieldeutigkeit eröffnet. Diese Alchemie der Worte in ihrer tiefen und kühnen Aussage öffnet eine Welt voll unerhörter Wunder, ohne aus einer beliebigen Handlung im täglichen Leben eine Handlung voller Pathos zu machen. Und sie zeigt uns das Bittere ebenso wie das Zuckerselige, befreit von den Wörtern. Ist darin nicht der Gedanke verborgen, dass alles auf die Taten ankommt?

Seit 1984 arbeitet die Galerie Hubert Winter mit Lawrence Weiner zusammen. Die kommende Ausstellung reiht sich in eine lange Tradition von Personalen mit ihm. Im öffentlichen Raum in Wien ist Lawrence Weiner seit 1991 mit seinem Werk SMASHED TO PIECES (IN THE STILL OF THE NIGHT) am Flakturm im Esterházy Park präsent. Das Werk ist eine Dauerleihgabe des Künstlers an die Stadt und ihre Bewohner:

“AS THE CONVERSATION CONTINUES IT IS A CONSTANT THOUGHT THAT ART IN PUBLIC SPACE IS
NOT ABOUT THEM & IT IS NOT ABOUT ME
IT IS ABOUT WE.” (Lawrence Weiner, 2002)